Wiedervereinigung

Comeback fürs Dreamteam der deutschen TV-Unterhaltung: Holm Dressler und Thomas Gottschalk

von Günther Fink

... Teil 2

Die Welt: Ihre Prognose: Wird Anke Engelke als Schmidt-Nachfolgerin auch eine Enttäuschung?

Dressler: Sie wird das packen, da bin ich mir sicher. Die Late-Night mit ihr wird eine Erfolgsshow, die sogar von Anfang an die Harald-Schmidt-Quoten toppen könnte. Anke Engelke hat alles, was man braucht: Humor und Bildung. Sie ist genauso ernsthaft wie clownesk. Der weibliche Thomas Gottschalk.

Die Welt: Das wird den Sender freuen, denn derzeit fehlen ihm spannende Show-Formate.

Dressler: Sat 1 ist durch den Wechsel an der Führungsspitze im Umbruch. Doch mit Matthias Alberti als Unterhaltungschef haben sie einen Showprofi, der gerade große und fetzige Entertainmentformate für den Sender entwickeln lässt. Natürlich macht auch dafür Studio Hamburg Entertainment Vorschläge, wie beispielsweise den einer Late-Week-Show, die - ähnlich wie es das aktuelle Sportstudio für den Sport tut - auf die herausragendsten Entertainment-Ereignisse der abgelaufenen Woche Rückschau hält. Mal sehen, was die Sat-1-Chefs davon halten.

Die Welt: Gute Shows könnte auch die ARD gebrauchen. Jürgen von der Lippe war nicht gerade ein Knüller.


Dressler: War das ein Flop? Warum? Nur weil er keine fünf Millionen Zuschauer erreicht hat? Geben Sie ihm und dem WDR Zeit, und Sie werden sehen, dass seine Show sich bereits mit der nächsten Folge durchsetzen wird.

Die Welt: Vielleicht aber auch nicht. Die große Samstagabendshow, so behaupten manche, habe ausgedient.

Dressler: Das stimmt nicht. Ich nehme gerade jetzt bei den Entscheidungsträgern aller Sender einen wachsenden Bedarf an großen Show-Events wahr für den Samstag- und für den Sonntagabend. Über so ein Ereignisfernsehen voller Spannung und Emotionen spricht man am nächsten Tag mit Freunden und Kollegen. Auch beim Shownachwuchs gibt es junge Talente, die auf der Startrampe stehen. Man muss sie nur loslaufen lassen.

Die Welt: Braucht nicht auch "Wetten, dass ...?", für das Sie lange Zeit verantwortlich waren, allmählich eine Verjüngungskur?

Dressler: 14 Millionen Zuschauer bei der letzten Sendung: Was will man da sezieren? Ich glaube, dass sich Thomas und sein Team keine Sorgen machen müssen.

Die Welt: Aber die Ideen fehlen. Während RTL mit der Dschungelshow Quote macht, sendet das öffentlich-rechtliche Fernsehen "Musikantenstadl".

Dressler: Sie haben die "Musikantenscheune" und "Das große Frühlingsfest der Volksmusik" vergessen. Die Dschungelshow war aus kreativer Sicht nicht wirklich innovativ, da sie als Quotenknüller aus dem Ausland eingekauft wurde .Das ist doch bei allen Sendern das gleiche Problem: Man verlässt sich lieber auf eingeführte Formate als auf neue Ideen. Die deutsche Fernsehunterhaltung krankt vor allem an einem: an mangelndem Glauben an die Kreativität im eigenen Land.

"50 Jahre Rock!", präsentiert von Thomas Gottschalk, 17.4., 20.15 Uhr, ZDF. "Gottschalk meets Petersen", im Mai, ZDF

Die Welt, 19. März 2004

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