"Er hat Gottschalk entdeckt: Holm Dressler"

Thomas Zapp, 10. Juni 2009 (Mallorca-Zeitung)

Fernsehmacher müssen offenbar berufsbedingt jung bleiben. Holm Dressler sieht man seine 59 Jahre wirklich nicht an. Derzeit brütet der Fernseh- und Showproduzent an einem Samstagabend-Konzept mit Computerspielen, bei dem Prominente virtuell in Cyberwelten gegeneinander antreten. Das den Programmchefs zu verkaufen, ist nicht leicht in Zeiten, in denen Computerspiele oft mit Killerspielen gleichgesetzt werden.

Dressler gehört zu den krea­tivsten Köpfen des deutschen Fernsehens. Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Frank Elstner, Rudi Carrell – alle haben auf ihn gehört, wenn er hinter den Kulissen Regie führte oder die Produktion leitete. Derzeit unterrichtet Dressler in Palma für eine Woche an der Medienakademie Ascenso Event-, Sport- und Medienmanagement. Den Termin hat er recht geschickt gelegt, so kann er am Samstag mit einigen Studenten bei „Wetten, dass ..?“ in der Stierkampfarena dabei sein und bei der Gelegenheit Thomas Gottschalk begrüßen, mit dem er zwischen 1987 und 1991 als Redakteur bei „Wetten, dass ..?“ die Fäden zog.

Mit dem ein Jahr jüngeren Moderator, dem eigentlichen Star der in die Jahre gekommenen Show, verbindet Dressler seit fast 25 Jahren eine enge Freundschaft. Kennengelernt haben sie sich in Baden Baden beim SWF, wo Dressler als Redakteur arbeitete. „1977 suchte der SWF einen Nachwuchsmoderator für eine Computersendung, die ,Telespiel‘ hieß“, erinnert er sich. Der Moderator, der sich im senderinternen Casting durchsetzte, hieß Thomas Gottschalk, der Redakteur, der von da an mit ihm zusammenarbeitete, Holm Dressler. Die Sendung, die im Wesentlichen aus einem Computer-Ping-Pong-Spiel bestand, das die Zuschauer per Telefon steuern konnten, in dem sie „Ping“ und „Pong“ in den Hörer riefen, wurde ein Überraschungserfolg und schaffte es ins ARD-Hauptprogramm.

Dressler und Gottschalk mauserten sich zu einem kongenialen Duo. Die beiden wechselten 1981 zum ZDF, entwickelten „Na sowas!“, eine Kuriositätenshow, natürlich moderiert von Thomas Gottschalk. Für Dressler begann die schönste Zeit seiner Karriere. „Wir hatten für ,Na sowas!‘ von den ZDF-Verantwortlichen freie Hand bekommen, das wäre heute undenkbar.“ Unvergessen die Aufreger um Gottschalks für damalige Verhältnisse lockere Kleidung mit Hosenträger und Micky-Maus-Hemden und seine flapsige Sprüche gegenüber seinem ebenso betagten wie leicht bekleideten Talk-Gast Lotti Huber („Erkälten Sie sich nicht die Eierstöcke“) oder dem ersten Fallschirmsprung live im deutschen Fernsehen. Gottschalk bekam trotzdem oder deswegen für seine Leistung 1985 den Fernsehpreis „Die Goldene Kamera“.

1987 ging Dressler mit seinem Freund zu „Wetten, dass ..?“, als Frank Elstner einen Nachfolger suchte. „Frank machte immer nach sechs Jahren etwas Neues, Thomas war der optimale Nachfolger.“ Die ersten Zeitungs-Schlagzeilen nach der Premiere waren nicht ermutigend. „Lass es sein, Thomas“, „Wir wollen Frank wiederhaben“. Doch Gottschalk blieb, und wie die Geschichte weiterging, ist bekannt.

Weniger bekannt ist die Episode, die Dressler und Gottschalk beinahe die Freundschaft gekostet hätte. ...

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