Showtime für Games

EA Magazin 02/2006


Showtime für Games
heißt es bald, wenn es nach Holm Dressler geht. Der erfolgreiche Fernsehproduzent arbeitet an Konzepten, die die Samstagabend-Fernsehshow mit Computerspielen verbinden sollen. Im Interview gewährt er erste Einblicke.

Hand aufs Herz, Herr Dressler: Wann läuft die erste Computerspiele-Show am Samstagabend zur besten Sendezeit?
Ich erwarte, wie andere Fernsehmacher auch, eine Renaissance der klassischen Spieleshows à la „Dalli Dalli“. Der Mensch ist ein Spielkind und will im Fernsehen live erleben, wie jemand gewinnt oder verliert. Wenn er irgendwie den Ablauf einer Fernsehsendung von zu Hause aus beeinflussen kann, dann macht er das auch.

Und wie soll das funktionieren?

Eine beliebte Form ist hier nach wie vor das Voting für oder gegen eine vom Fernsehen angebotene Auswahl, oder das Ergebnis einer Umfrage mitzubestimmen. Wirklich interessant wird es aber meiner Ansicht nach erst dann, wenn der Zuschauer daheim am Bildschirm als Kandidat mitspielen und sich mit anderen Teilnehmern messen kann. Hier sehe ich persönlich eine Zukunft für die TV-Gameshows. Der Boom der Computerspiele schreit ja geradezu danach, dass solche Elemente in Fernsehshows integriert werden. Ob es dann für einen Sendeplatz am Samstagabend reicht, wird sich zeigen.

Was macht für Sie eine gute Unterhaltungssendung aus?
Für mich ist immer noch „Wetten, dass ...?“ beispielgebend für eine optimale Unterhaltungsshow: spannendes Spiel, originelle Kandidaten, echte Stars, multikulturelle Ausrichtung, phänomenaler Moderator.

Wie darf man sich eine Fernsehshow mit Computerspiel-Elementen vorstellen?

Das ist genau die Frage, über die ich mir gerade den Kopf zerbreche. Zusammen mit EA-Computerspiel-Experten und Programmierern analysiere ich zurzeit dutzende von Spielen und überprüfe sie auf ihre Fernsehtauglichkeit. Obwohl ich noch in der Ideenfindungsphase bin, sehe ich zum Beispiel für das Spiel „Die Sims“ großes Potenzial für eine spannende Fernsehunterhaltungsshow. Allerdings halte ich eine monothematische Show, die allein auf Computerspiele ausgerichtet ist, für problematisch. Die Mischung aus traditionellen Show-Elementen und moderner Computertechnik wird den Erfolg bringen.

Das hört sich noch sehr theoretisch an. Haben Sie ein Beispiel parat, wie wir uns das vorstellen dürfen?
Ich finde es zum Beispiel reizvoll, etwas mit Flugsimulatoren zu machen, bei denen Mitspieler außerhalb des Studios via Telefon anderen Mitspielern im Studio, denen man die Augen verbunden hat, konkrete Anweisungen für eine sichere Landung geben. Oder man nimmt ein Racer-Game, und ein 14-jähriger Schüler fährt gegen Michael Schumacher. Was meinen Sie, was da für Stimmung im Land aufkommt?! Solche Elemente habe ich übrigens schon früher eingesetzt. Bei einer Show von der Funkausstellung in Berlin mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch haben wir den damaligen Olympiasieger im 100-Meter-Lauf, Carl Lewis, gegen einen 12-jährigen Berliner Jungen laufen lassen. Die beiden standen auf einem Teppich, der mit einem Computer verbunden war. Wenn sie auf der Stelle liefen, schoben sie mit ihren Schritten eine Figur auf dem Bildschirm weiter. Und der Junge hat tatsächlich gegen den schnellsten Läufer der Welt gewonnen.

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